greatfirewallofchina.org und Linux

Den folgenden Beitrag habe ich zuerst in meinem Blog namens „Blog-IT“ (http://bl0git.wordpress.com) unter dem Titel „Linux und Flash“ veröffentlicht.

Für manche Web-Seiten (eigene, Facebook, WordPress usw.) möchte ich gerne wissen, ob sie auch in China angesehen werden können (der chinesische Staat ist auf dem Gebiet der Informationen aus dem Ausland für die eigenen Staatsbürger recht restriktiv). Da ich aus verschiedenen Gründen nicht einfach einen Freund oder Bekannten aus China darum bitten kann zu recherchieren, verwende ich statt dessen gerne die Web-Seite http://greatfirewallofchina.org.

Da ich normalerweise in Linux arbeite, habe ich diese Seite dort mit dem Browser Firefox aufgerufen. Das Verstehen und Benutzen der Seite war jedoch mit größten Schwierigkeiten verbunden, da auf den Seiten sämtliche Überschriften (einschließlich der Beschriftungen der Eingabefelder!) durch weiße Rechtecke ersetzt waren.

Nach einer Diskussionsrunde im Forum http://www.linux-club.de (dieses Forum kann ich nur empfehlen) ergab sich folgende Erklärung und Lösung des Problems:

Der Seitenersteller verwendet – warum auch immer – für seine Überschriften Flash (Adobe Flash Player). Da er weiß, dass nicht jeder Browsernutzer Flash verwendet oder verwenden will, hat er in seinen Seiten eine Abfrage eingebaut, ob Flash vorhanden ist oder nicht. Ist Flash nicht vorhanden, so macht er die Überschriften ersatzweise mit normalen <h1>-Etiketten oder ähnlichem. Wo liegt jetzt aber das Problem, dass in meinem Betriebssystem Flash zwar vorhanden ist, aber dennoch nicht verwendet wird?

Der Adobe Flash Player wird von Adobe nicht mehr für Linux weiterentwickelt. Die letzte Version war 12.2. Für Windows sind sie schon bei Version 12.9. Auf den Greatfirewallofchina-Seiten wird vermutlich eine Eigenschaft von Flash verwendet, die erst nach Version 12 hinzugekommen ist, und der Seitenersteller hat nur das Vorhandensein von Flash, aber nicht die Versionsnummer abgefragt.

Eine befriedigende Lösung des Problems ergibt sich für mich nun dadurch, dass es für Firefox ein Add-on namens FlashDisable gibt. Dies habe ich installiert und kann jetzt im Flug Flash aus- oder einschalten. Habe ich es ausgeschaltet, so erhalte ich die Überschriften und Feldbeschriftungen in korrekter Weise.  Ob es für andere Browser in Linux etwas Ähnliches gibt, weiß ich nicht, sie haben auf jeden Fall das gleiche Problem mit den genannten Web-Seiten.

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Wörterbücher – shan zha pai – 山楂派

shanzhapai

Vor einigen Jahren kam ich von einer Reise nach China zurück, stolz mit zwei dicken Wörterbüchern „Das neue chinesisch-deutsche Wörterbuch“ (新汉德词典) und „Das neue deutsch-chinesische Wörterbuch“ (新德汉词典), die man in China deutlich billiger bekommt als in Deutschland. Ich glaubte, jetzt hätte ich, was Wörterbücher angeht, ausgesorgt, weil eigentlich alles, was ich je übersetzen möchte, darin enthalten ist.

Da habe ich die Rechnung natürlich ohne den Wirt gemacht, soll heißen, Sprache lebt und entwickelt sich fort, und nach einiger Zeit gibt es „neue“ chinesische Wörter oder Bedeutungen, die in den dicken Wälzern von 2006 nicht drin stehen. Ein Beispiel:

Auf einer Tüte mit Naschzeug steht 山楂派 (shan zha pai). Die ersten beiden Silben kenne ich, shan zha ist der chinesische Weißdorn, der nicht nur medizinisch, sondern auch kulinarisch genutzt wird (siehe zum Beispiel http://peter-preus.de/de-cn/index.html). Was aber ist pai im 4. Ton? Das große Wörterbuch bietet „Gruppe“, „Verhalten“ usw. an, in der Tüte befinden sich aber kleine Taler, zu mehreren aufeinander in ein buntes Papier verpackt. Das passt überhaupt nicht zusammen.

Hilfe kommt zunächst von leo.org. In diesem bekannten online-Wörterbuch wird pai (派) auch mit „Kuchen“ übersetzt, und das passt schon eher。

Den vollen Durchblick erhalte ich von dem Wörterbuch Hanping auf meinem Handy. Es ist ein chinesisch-englisches Wörterbuch und enthält als Übersetzung für pai (派) das englische Wort „pie“ mit dem Zusatz „loanword“ also „Lehnwort“. Nun ist alles klar. Man hat für „Kuchen“ das englische Wort pie (eigentlich Pastete oder Torte) genommen, schreibt es mit dem Zeichen 派,welches die gleiche Aussprache und sonst ganz andere Bedeutungen hat, und fertig ist das neue Wort.

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Robert Zollitsch

Gestern war ich im Internet unterwegs, um Bilder für CDs mit chinesischer Popmusik zu suchen, die ich letztes Jahr in Hongkong gekauft habe. In einem Blog, der sich mit der Übersetzung von Texten ausgewählter Popmusikstücke befasst (http://inmymelody.wordpress.com/, Text in Hanzi, Pinyin und Englisch), fand ich im Vorbeilesen bei einem Stück für Komponist und Texter die Angabe „Lao Luo aka Robert Zollitsch“.

Vermutlich ist die Ankündigung des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. vor zwei Tagen schuld daran, dass meine Augen an „Robert Zollitsch“ hängen blieben. (Robert Zollitsch wurde als Vorsitzender der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz in allen Medien befragt.)

Zunächst dachte ich bei Lao Luo aka Robert Zollitsch, wieder ein Chinese, der unbedingt einen westlichen Namen haben will, aber warum ausgerechnet Robert Zollitsch? Also nach „Lao Luo aka Robert Zollitsch“ gesucht und den Wikipedia-Eintrag „Robert Zollitsch (composer)“ gefunden. Glücklicherweise gibt es die englische Wikipedia, die im Bereich chinesischer Kultur die deutsche Wikipedia um Längen schlägt: http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Zollitsch_(composer).

Das Ergebnis in Kürze: Die Namensgleichheit ist Zufall. Der Komponist ist Deutscher und hat hier auch seine Ausbildung erfahren. Seit längerem befasst er sich intensiv mit chinesischer Musik und komponiert auch solche. Er gilt als einer der besten zeitgenössischen chinesischen Komponisten (klassische Instrumente, aber auch Popmusik, „neue chinesische Kunstmusik“). Am besten die Wikipedia-Seite und seine eigene Web-Seite selbst ansehen. Als (lustigen) Einstieg in seine Musik kann ich den Verweis http://wlchunwan.cntv.cn/nettv/wlchunwan/special/C22093/classpage/video/20110203/100795.shtml empfehlen (Musikvideo). Weitere Musikvideos zum Beispiel auf http://v.youku.com/v_show/id_XNTEwNTA3MjQw.html. Es singt seine Ehefrau Gong Linna, ob er von allen Stücken der Komponist ist, habe ich noch nicht herausgefunden, ich vermute es aber. Robert Zollitsch agiert auch selbst in einigen Videos. Unterhaltsam und hörbar!

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Neuausrichtung meines Blogs

Mein Blog „Chinesisch“ war ursprünglich für Beiträge rund um die chinesische Sprache gedacht. Inzwischen habe ich mich entschlossen, ab und zu auch Themen über die chinesische Kultur (Musik usw.) aufzunehmen. Die Zielsetzung meiner Blogs, die Beiträge in erster Linie für mich selbst zu schreiben, soll aber erhalten bleiben. Das bedeutet, dass du hier keine regelmäßige Kommentierung chinesischer Kultur(ereignisse) erwarten solltest.

 

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Perapera Chinese Popup Dictionary

In meinem ersten Beitrag vom 24.04.2012 über „Leerzeichen in chinesischen Texten“ erhielt ich in dem Kommentar von daanintaiwan den Hinweis auf das Browser-Plugin „Perapera Chinese Popup Dictionary“, welches den „Stanford Chinese Word Segmenter“ benutzt, mit dem man in chinesischen Texten die Silben zu Wörtern zusammenfassen kann. Dieses Plugin habe ich mir angesehen. Ich muss sagen, es ist ein ganz tolles Programm, das noch viel mehr kann, als nur chinesische Wörter zu bilden.

Ich beschreibe hier die Installation und Verwendung in einem openSUSE-System 12.1 mit Firefox 12.0. Für ältere Systeme und Browser habe ich es ebenfalls verwendet. Die Google-Suche nach „Perapera“ liefert ziemlich vorne die Seite „Perapera Chinese Popup Dictionary – Add-ons für Firefox“. Klickst du sie an, erfährst du die Versionsnummer (9.0.0), den Autor (Justin Kovalchuk) und die folgende Charakterisierung:

Put your mouse over any Chinese words on a webpage and it gives you the pronunciation and definition. English, German, & French dictionaries; Pinyin and Zhuyin supported; Simplified or Traditional characters. Save and export words for studying later!

Ein Klick auf „+ Zu Firefox hinzufügen“, dann auf „Jetzt installieren“, dann auf „Jetzt neu starten“ ist alles, was nötig ist.

Was hat sich jetzt in Firefox geändert? Zunächst einmal sehe ich in der Toolbar rechts außen ein Bildchen mit einem Aufklapppfeil. Außerdem gibt es im Menü „Extras“ und im Kontextmenü der rechten Maustaste ein Kontrollkästchen für Perapera. An allen drei Stellen (Klick auf das Bildchen, Klick in besagtes Kontrollkästchen in Extras oder Kontextmenü) kannst du Perapera ein- bzw. ausschalten. Beim allerersten Einschalten sagt Perapera

A dictionary index needs to be created. This may take a while on some systems. Click OK to start.

Das Bildchen zeigt durch Farbe bzw. schwarz/weiß an, dass Perapera ein- bzw. ausgeschaltet ist. Bei jedem Einschalten erscheint auch ein Fensterchen mit den Tastenbefehlen für Perapera.

So, jetzt wollen wir Perapera auch mal benutzen und gehen auf eine Webseite mit chinesischen Schriftzeichen. Ist Perapera eingeschaltet, so gehen wir mit dem Mauszeiger auf ein chinesisches Zeichen und fangen an zu staunen, was da alles geboten wird. Ich könnte das jetzt im einzelnen aufzählen, aber ich denke, es erklärt sich von selbst, wenn man auch nur rudimentäre Chinesischkenntnisse hat. Ich werde aber demnächst in einem weiteren Beitrag noch einige Einzelheiten mitteilen.

Was zunächst vielleicht noch stört, ist die englische Übersetzung der Wörter oder Silben. Um dem abzuhelfen, klickst du etwa auf den Pfeil neben dem Aktivierungsbildchen und wählst Options… aus, dann Dictionaries, dann Download…. Du erhältst die Webseite http://www.perapera.org/chinese/, auf der du Chinese-German HanDeDict anklicken kannst. Dieses Wörterbuch wird als Add-on auf dieselbe Weise wie Perapera selbst installiert. Zuletzt kannst du noch in dem Fenster, in welchem du Download… angeklickt hast, das deutsche Wörterbuch an die erste Stelle schieben. Auch diesmal musst du beim ersten Einschalten von Perapera den Index für das neue Wörterbuch bauen lassen.

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Origami, leo.org, Wikipedia

Nachdem unsere Lokalzeitung geschrieben hatte, dass das Wort „Origami“ aus dem Chinesischen stamme, was ja wohl ein Witz ist, wollte ich wissen, wie dieser Begriff auf Chinesisch heißt. Weder leo.org noch das große „Neue deutsch-chinesische Wörterbuch“ boten eine Übersetzung an. Im entsprechenden Forum von leo.org erhielt ich als Antwort einen Hinweis auf die entsprechende Seite der chinesischen Wikipedia.

Das ist ein guter Trick, wenn man wie ich die chinesische Wikipedia mangels hinreichender Sprachkenntnisse nicht bedienen kann: Man sucht den fraglichen Begriff etwa in der deutschen Wikipedia auf und klickt dann in der linken Spalte unter „In anderen Sprachen“ einfach auf „中文“. Was man dann sieht, ist natürlich keine Übersetzung, sondern eine Seite zu dem gleichen Begriff, aber in der anderen (chinesischen) Sprache.

Wie das Stichwort auf Chinesisch heißt, findet man (ohne es lesen zu können) aus dem Layout: 摺紙. Als nächstes möchte man dieses Wort auch aussprechen und in seine beiden Bestandteile zerlegen können. Das war für mich zunächst nicht so einfach, da die beiden Zeichen im großen gedruckten Wörterbuch nicht vorkommen (die Einzelsilben finden sich aber bei leo). Nach längerem Anstarren des chinesischen Textes (schneller wäre es durch Aufsuchen der beiden Einzelsilben in leo gegangen) kommt man zu der Gewissheit, dass der Text in traditionellem Chinesisch verfasst ist. Das ist für mich überraschend, weil ich, warum auch immer, gedacht hatte, alles bei zh.wikipedia.org wäre in vereinfachtem Chinesisch. Auf irgendeiner Seite zu Wikipedia fand ich einen Hinweis zu einer automatischen Umwandlung von traditionellem in vereinfachtes Chinesisch und umgekehrt, bloß, wie geht das? Durch Vergleich einer deutschen mit einer chinesischen Wikipedia-Seite fand sich schließlich in der Menüleiste rechts neben dem chinesischen Äquivalent zu „Diskussion“ etwas zum Aufklappen mit 4 Einträgen für cn, hk, sg und tw, was der Reihe nach für China, Hongkong, Singapur und Taiwan steht. Es sieht so aus, als würde man mit den ersten drei vereinfachtes Chinesisch, mit dem vierten aber traditionelles Chinesisch erhalten. Ob es Seiten gibt, wo sich die ersten drei voneinander unterscheiden, weiß ich nicht.

Auf jeden Fall habe ich jetzt 摺紙 auch in vereinfachtem Chinesisch, nämlich 折纸. In Pinyin ist das zhé zhǐ und heißt „falten Papier“. Im großen gedruckten Wörterbuch finde ich dann für zhézhǐ die „glatte“ Übersetzung „Papier falten“.

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Leerzeichen in chinesischen Texten

Gängige(?) Meinung ist, dass alle chinesischen Schriftzeichen den gleichen Abstand voneinander haben, siehe etwa http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Schrift:

„Bei Chinesischer Schrift, die mit chinesischen Schriftzeichen wiedergegeben wird, werden keine Wortgrenzen, wie beispielsweise durch Leerzeichen, markiert, denn die Schriftzeichen haben alle den gleichen Abstand voneinander.“

Für den Lernenden wäre es aber, insbesondere beim Übersetzen aus dem Chinesischen, überaus praktisch, wenn er aus der Schreibweise schon erkennen könnte, welche Silben zusammen eine Bedeutung haben, die über die Bedeutungen der einzelnen Bestandteile hinausgeht.

Heute habe ich eine Seite gesehen, bei der zunächst alle Silben durch zusätzliche Leerzeichen voneinander getrennt sind außer in den Fällen, wo es sich eben um Begriffe aus zwei oder mehr Silben handelt. Es war übrigens gar nicht so einfach, dies zu entdecken, da die zusätzlichen Leerzeichen gegenüber den „fetten“ chinesischen Zeichen so schmal sind, dass es zunächst nur wie ein unsauberes Schriftbild aussah. Welche Seite war es nun?

Der „Leiden Weibo Corpus“, http://lwc.daanvanesch.nl, der 100 Millionen Wörter aus 5,1 Millionen Microblog-Nachrichten in chinesischer Sprache enthält, zeigt das beschriebene Phänomen.

Natürlich ist es kein Phänomen, das untersucht werden müsste, sondern es stellen sich mir nur ein paar Fragen:

1. Gibt es noch andere Texte im WWW mit dieser besonderen Eigenschaft?

2. Wie wurde das gemacht? Die gesammelten Microblogs dürften die Leerzeichen im Original wohl kaum aufgewiesen haben, es hätte ja jeder so schreiben müssen.

3. Gibt es ein Programm, mit dem man einem chinesischen Text automatisch die benötigten Leerzeichen hinzufügen kann?

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